Pflanzenkohle ist vielseitig – bei den verwendeten Ausgangsmaterialien, ihren Eigenschaften, Qualitätsstufen und möglichen Anwendungsbereichen.
Doch Pflanzenkohle ist nicht gleich Pflanzenkohle. Je nachdem, ob sie im Garten, in der Landwirtschaft, als Bestandteil von Baustoffen oder für andere Anwendungen eingesetzt werden soll, können unterschiedliche Anforderungen gelten.
Welche Pflanzenkohle-Zertifikate gibt es? Was bedeutet eine EBC-Zertifizierung? Darf Pflanzenkohle im ökologischen Landbau eingesetzt werden? Und wie entstehen aus Pflanzenkohle zertifizierte CO₂-Entnahmen beziehungsweise Carbon-Removal-Einheiten?
Hier bekommst Du einen Überblick.
Pflanzenkohle: Was ist das eigentlich?
Pflanzenkohle – international häufig als Biochar bezeichnet – ist ein kohlenstoffreiches Material, das durch thermische Behandlung geeigneter Biomasse unter stark begrenzter Sauerstoffzufuhr entsteht.
Dieses Verfahren wird Pyrolyse genannt.
Als Ausgangsmaterial können je nach Verfahren und späterem Verwendungszweck beispielsweise Holzreste, Grünschnitt oder andere geeignete pflanzliche Reststoffe eingesetzt werden.
Durch die Pyrolyse entsteht eine stark poröse Pflanzenkohle mit einer großen inneren Oberfläche. Dadurch kann sie Wasser und Nährstoffe aufnehmen und im Boden beziehungsweise Substrat zurückhalten.
Welche Eigenschaften die fertige Pflanzenkohle besitzt, hängt unter anderem von Ausgangsmaterial, Pyrolysetemperatur und Herstellungsverfahren ab.
Wie kann Pflanzenkohle verwendet werden?
Pflanzenkohle kann in unterschiedlichen Bereichen eingesetzt werden.
Besonders bekannt ist ihre Verwendung als Bodenverbesserer oder Bestandteil von Pflanzsubstraten. Sie wird außerdem unter anderem in Kompostierungsprozessen sowie als Träger für Nährstoffe verwendet.
Auch außerhalb von Gartenbau und Landwirtschaft wird Pflanzenkohle zunehmend untersucht und eingesetzt – beispielsweise als Bestandteil von:
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Beton und anderen Baustoffen
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Mörtel und Putz
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Verbundwerkstoffen
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Kunststoffen
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technischen Materialien
Soll Pflanzenkohle im Boden eingesetzt werden, wird sie häufig zuvor mit Wasser und Nährstoffen angereichert beziehungsweise aktiviert.
Das kann beispielsweise durch die Kombination mit Kompost oder geeigneten Düngemitteln erfolgen.
Frische Pflanzenkohle besitzt viele freie Poren und Oberflächen und kann zunächst Nährstoffe aus ihrer Umgebung aufnehmen. Eine vorherige Aktivierung kann deshalb für viele Anwendungen sinnvoll sein.
Da sich Qualität und Eigenschaften verschiedener Pflanzenkohlen erheblich unterscheiden können, spielen Standards, Laboranalysen und Zertifizierungen eine wichtige Rolle.
Was ist das European Biochar Certificate – EBC?
Einer der bekanntesten Qualitätsstandards für Pflanzenkohle ist das European Biochar Certificate, kurz EBC.
Die EBC-Richtlinien wurden ab 2012 entwickelt und werden heute von Carbon Standards International (CSI) herausgegeben. Die Zertifizierung umfasst unter anderem Anforderungen an Ausgangsmaterialien, Produktionsprozesse, Emissionen, Produktqualität und Schadstoffgehalte.
Dabei gibt es unterschiedliche EBC-Zertifizierungsklassen für verschiedene Anwendungsbereiche.
Welche Biomassen verwendet werden dürfen und welche Grenzwerte eingehalten werden müssen, hängt deshalb von der jeweiligen Zertifizierungsklasse und dem vorgesehenen Einsatz der Pflanzenkohle ab.
Der Zertifizierungsprozess umfasst unter anderem die Prüfung des Produktionsbetriebs, der eingesetzten Pyrolysetechnik, der Stoffströme, des Probenahmeplans und der erzeugten Pflanzenkohle. Die Zertifizierung wird durch unabhängige Drittstellen durchgeführt.

Welche Schadstoffe werden bei EBC-Pflanzenkohle geprüft?
Bei der Herstellung von Pflanzenkohle können – abhängig vom Verfahren – unerwünschte Stoffe entstehen oder im Ausgangsmaterial enthalten sein.
Dazu gehören beispielsweise:
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Schwermetalle
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polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe, kurz PAK
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weitere unerwünschte Begleitstoffe
Deshalb enthalten die EBC-Richtlinien Grenzwerte und Anforderungen an verschiedene Schadstoffe.
Wichtig: Der früher häufig genannte pauschale Grenzwert von 4 mg PAK pro Kilogramm Pflanzenkohle gilt heute nicht allgemein für sämtliche EBC-Klassen und EU-Anwendungen.
Die aktuellen EBC-Anforderungen unterscheiden nach Zertifizierungsklasse und Anwendungsbereich. Für EBC-Agro und EBC-AgroOrganic gelten beispielsweise parallel Grenzwerte für unterschiedliche Gruppen von PAK.
Beim Kauf von Pflanzenkohle sollte deshalb nicht nur auf irgendein „EBC“-Logo geschaut werden, sondern darauf, welche Zertifizierungsklasse für die gewünschte Anwendung vorliegt.
Bio-zertifizierte Pflanzenkohle: Gibt es das?
Hier lohnt sich eine wichtige Unterscheidung.
Pflanzenkohle ist als Bodenverbesserer aus pflanzlichen Ausgangsmaterialien für die ökologische beziehungsweise biologische Produktion in der EU zugelassen, sofern die entsprechenden gesetzlichen Anforderungen eingehalten werden. Sie ist in Anhang II der Durchführungsverordnung (EU) 2021/1165 ausdrücklich aufgeführt.
Das bedeutet jedoch nicht automatisch, dass jede solche Pflanzenkohle selbst ein klassisches „Bio-Produkt“ mit dem bekannten EU-Bio-Logo ist.
Düngemittel, Bodenverbesserer und Nährstoffe, die für die ökologische Produktion zugelassen sind, können entsprechend als „für die Verwendung in der ökologischen/biologischen Produktion zugelassen“ gekennzeichnet werden. Das ist rechtlich etwas anderes als die klassische Bio-Kennzeichnung eines Lebensmittels.
Innerhalb des EBC gibt es mit EBC-AgroOrganic eine Zertifizierungsklasse, deren Anforderungen auf die Vorgaben für die Verwendung von Pflanzenkohle in der ökologischen Landwirtschaft abgestimmt sind.
Deshalb sollte beim Kauf genau geprüft werden, welche Zertifizierung tatsächlich vorliegt und wofür die Pflanzenkohle zugelassen ist.
Ist EBC dasselbe wie Bio?
Nein.
Eine EBC-Zertifizierung bestätigt die Einhaltung der Anforderungen der jeweiligen EBC-Zertifizierungsklasse.
Die Zulässigkeit im ökologischen Landbau richtet sich dagegen nach dem EU-Öko-Recht sowie gegebenenfalls zusätzlichen Anforderungen von Bioverbänden.
Je nach Einsatzzweck können sich beide Anforderungen überschneiden – sie sind aber nicht dasselbe.
Auch Datenbanken wie EASY-CERT können dabei helfen, aktuelle Zertifikate und Zertifizierungsinformationen zu prüfen. EASY-CERT selbst sollte jedoch nicht pauschal als „Bio-Zertifizierung für Pflanzenkohle“ verstanden werden. Dort werden Zertifizierungsinformationen verschiedener Standards und Anbieter dokumentiert.
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Pflanzenkohle und CO₂: Wie hängt das zusammen?
Pflanzen nehmen während ihres Wachstums CO₂ aus der Atmosphäre auf und bauen den darin enthaltenen Kohlenstoff in ihre Biomasse ein.
Wird die Biomasse vollständig verbrannt oder zersetzt, gelangt ein großer Teil dieses Kohlenstoffs wieder in den natürlichen Kohlenstoffkreislauf.
Bei der Pyrolyse kann dagegen ein Teil des Kohlenstoffs in eine vergleichsweise stabile Form überführt werden.
Wird geeignete Pflanzenkohle anschließend langfristig eingesetzt – beispielsweise im Boden oder in bestimmten Materialien –, kann ein Teil dieses Kohlenstoffs über lange Zeiträume gespeichert bleiben.
Wie viel CO₂ dadurch tatsächlich dauerhaft aus der Atmosphäre entfernt wird, kann jedoch nicht allein aus dem Gewicht der Pflanzenkohle abgeleitet werden.
Dafür müssen unter anderem Kohlenstoffgehalt, Stabilität, Ausgangsmaterial, Herstellung, Transport, Verarbeitung und spätere Anwendung berücksichtigt werden.
Genau hier setzen Carbon-Removal-Zertifizierungen für Pflanzenkohle an.
Was sind CO₂-Zertifikate?
Unter dem Begriff „CO₂-Zertifikat“ werden häufig sehr unterschiedliche Instrumente zusammengefasst.
Dabei muss zwischen mindestens zwei Bereichen unterschieden werden.
Der EU-Emissionshandel – EU ETS ist ein verpflichtendes Emissionshandelssystem. Unternehmen in erfassten Sektoren müssen für ihre anrechenbaren Emissionen entsprechende Emissionsberechtigungen abgeben. Diese Berechtigungen werden gehandelt und ihr Preis entsteht am Markt.
Davon zu unterscheiden sind Zertifikate beziehungsweise Einheiten für tatsächlich entfernte und gespeicherte CO₂-Mengen, also Carbon Removals.
Pflanzenkohle kann – unter bestimmten Voraussetzungen und nach entsprechenden Methoden – eine solche dauerhafte CO₂-Entnahme ermöglichen.
Ein Emissionsrecht aus dem EU ETS und eine zertifizierte CO₂-Entnahme durch Pflanzenkohle sind deshalb nicht dasselbe.
CO₂-Zertifikate durch Pflanzenkohle
Für Pflanzenkohle gibt es spezielle Standards, mit denen die langfristige Kohlenstoffspeicherung quantifiziert, dokumentiert und unabhängig geprüft werden kann.
Ein Beispiel ist der Global Biochar C-Sink Standard von Carbon Standards International. Dabei werden unter anderem Herstellung, Kohlenstoffgehalt, Prozess- und Transportemissionen sowie die spätere Verwendung der Pflanzenkohle berücksichtigt. Die zertifizierten C-Senken werden registriert und nachvollziehbar dokumentiert.
Inzwischen gibt es zusätzlich einen europäischen Rechtsrahmen.
Mit der Carbon Removals and Carbon Farming Regulation – CRCF hat die EU ein freiwilliges Zertifizierungssystem für Kohlenstoffentnahmen geschaffen.
Seit 2026 existiert eine eigene EU-Zertifizierungsmethode für Biochar Carbon Removal – BCR, also dauerhafte Kohlenstoffentnahmen durch Pflanzenkohle.
Damit erhält Pflanzenkohle erstmals auch innerhalb eines einheitlichen EU-Rahmens eine spezifische Methodik für die Zertifizierung dauerhafter CO₂-Entnahmen.
Welche Voraussetzungen gelten für zertifizierte CO₂-Entnahmen?
Eine CO₂-Entnahme entsteht nicht allein dadurch, dass Pflanzenkohle hergestellt wird.
Für eine glaubwürdige Zertifizierung muss der gesamte Prozess betrachtet werden.
Das EU-CRCF-System basiert dabei auf vier zentralen Qualitätskriterien:
Quantifizierung:
Die tatsächlich zusätzlich entfernte CO₂-Menge muss nachvollziehbar und konservativ berechnet werden. Auch Emissionen, die bei Herstellung, Transport und Durchführung entstehen, müssen berücksichtigt werden.
Additionalität:
Die zertifizierte Aktivität muss über ohnehin bestehende gesetzliche Anforderungen beziehungsweise übliche Praktiken hinausgehen und die Zertifizierung muss einen relevanten Anreiz für ihre Durchführung schaffen.
Langfristige Speicherung:
Der Kohlenstoff muss über den vorgeschriebenen Zeitraum gespeichert werden. Gleichzeitig gelten Anforderungen an Überwachung und den Umgang mit möglichen Verlusten.
Nachhaltigkeit:
Die Aktivität muss definierte Nachhaltigkeitsanforderungen erfüllen und darf keine erheblichen Umweltbeeinträchtigungen verursachen.
Darüber hinaus müssen zertifizierte Aktivitäten unabhängig durch Dritte geprüft werden.
Was bedeutet „klimaneutral“ oder „klimapositiv“ heute?
Die Begriffe „klimaneutral“ und „klimapositiv“ müssen heute besonders vorsichtig verwendet werden.
Nach den seit dem 27. September 2026 geltenden EmpCo-Regeln dürfen Produkte nicht als beispielsweise „klimaneutral“, „CO₂-neutral“, „klimapositiv“ oder mit einem „reduzierten CO₂-Fußabdruck“ beworben werden, wenn diese Aussage lediglich auf der Kompensation von Treibhausgasemissionen außerhalb der Wertschöpfungskette des Produkts basiert.
Der Kauf eines Carbon-Removal-Zertifikats macht ein beliebiges Produkt deshalb nicht automatisch zu einem klimaneutralen oder klimapositiven Produkt.
Unternehmen dürfen jedoch weiterhin sachlich darüber informieren, dass sie in zertifizierte Klimaschutz- oder Carbon-Removal-Projekte investieren – solange daraus keine irreführende Aussage über die Klimawirkung des beworbenen Produkts entsteht.
Gerade bei Pflanzenkohle ist deshalb eine präzise Sprache wichtig:
Statt pauschal von einem „klimapositiven Produkt“ zu sprechen, ist es besser zu erklären, welche Menge Kohlenstoff nach welcher Methode gespeichert und zertifiziert wurde.
Pflanzenkohle-Zertifikate: Worauf sollte man achten?
Beim Kauf oder bei der Verwendung von Pflanzenkohle lohnt sich ein genauer Blick auf die vorhandenen Nachweise.
Entscheidend ist nicht allein, ob ein Zertifikat vorhanden ist, sondern:
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nach welchem Standard zertifiziert wurde
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für welchen Anwendungsbereich die Zertifizierung gilt
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welche Pflanzenkohle beziehungsweise Charge erfasst wird
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welche Rohstoffe verwendet wurden
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welche Qualitäts- und Schadstoffanforderungen geprüft wurden
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und ob Aussagen zur Kohlenstoffspeicherung tatsächlich durch eine entsprechende Carbon-Removal-Zertifizierung gedeckt sind
EBC-Zertifizierung, Zulässigkeit im ökologischen Landbau und Carbon-Removal-Zertifizierung erfüllen unterschiedliche Aufgaben.
Wer diese Unterschiede kennt, kann leichter beurteilen, welche Pflanzenkohle für den jeweiligen Einsatzzweck geeignet ist – und welche Aussagen durch ein Zertifikat tatsächlich belegt werden.


