Kann Pflanzenkohle auch als Zusatz zur Einstreu verwendet werden? Ja – genau diese Anwendung wird seit einigen Jahren in Tierhaltung und Forschung untersucht.
Durch ihre poröse Struktur kann Pflanzenkohle Feuchtigkeit und bestimmte gelöste Stoffe aufnehmen. Das macht sie beispielsweise für Einstreu, Mistmanagement und die anschließende Kompostierung interessant.
Doch welche Vorteile kann Pflanzenkohle im Stall tatsächlich bieten? Wie wird sie eingesetzt? Und kann die verwendete Einstreu anschließend weiterverwertet werden?
Wofür ist Einstreu im Stall wichtig?
Eine geeignete Einstreu soll Ausscheidungen aufnehmen und den Tieren möglichst trockene, komfortable Liege- beziehungsweise Laufflächen bieten.
Besonders in der Geflügelhaltung spielt die Feuchtigkeit der Einstreu eine wichtige Rolle.
Zu feuchte Einstreu kann unter anderem das Risiko von Fußballendermatitis erhöhen. Gleichzeitig können feuchte Einstreu und ungünstige Stallbedingungen die Bildung beziehungsweise Freisetzung von Ammoniak begünstigen.
Eine gute Einstreu sollte deshalb unter anderem:
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Feuchtigkeit aufnehmen,
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möglichst locker und trocken bleiben,
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den Tieren einen geeigneten Untergrund bieten
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und sich gut in das jeweilige Stallmanagement integrieren lassen.
Welche Materialien dafür geeignet sind, hängt von Tierart und Haltungssystem ab.
Häufig kommen beispielsweise Stroh, Hobelspäne, Holzprodukte oder andere saugfähige Materialien zum Einsatz.
Pflanzenkohle kann solchen Einstreumaterialien als zusätzlicher Bestandteil beigemischt werden.
Welche Eigenschaften hat Pflanzenkohle als Einstreu-Zusatz?
Pflanzenkohle besitzt zahlreiche Poren und eine große innere Oberfläche.
Dadurch kann sie Wasser beziehungsweise Feuchtigkeit aufnehmen und verschiedene Stoffe an ihrer Oberfläche adsorbieren.
Gerade diese Eigenschaften sind für die Verwendung in Einstreu interessant.
In Untersuchungen werden unter anderem mögliche Auswirkungen auf:
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Feuchtigkeitsgehalt der Einstreu
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Stickstoffverluste
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Ammoniakemissionen
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Gerüche
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Nährstoffspeicherung
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anschließende Kompostierung
untersucht.
Dabei zeigt sich allerdings auch:
Die Wirkung hängt stark von der verwendeten Pflanzenkohle und dem jeweiligen Stallsystem ab.
Ausgangsmaterial, Pyrolysetemperatur, pH-Wert, Korngröße und eingesetzte Menge können das Ergebnis erheblich beeinflussen.
Deshalb kann nicht pauschal behauptet werden, dass Pflanzenkohle in jedem Stall automatisch Ammoniak oder Gerüche reduziert.
Kann Pflanzenkohle Einstreu trockener halten?
Das ist eine der interessantesten Eigenschaften für die Tierhaltung.
Durch ihre poröse Struktur kann Pflanzenkohle Feuchtigkeit aufnehmen und dadurch zur Regulierung des Wassergehalts einer Einstreu beitragen.
Eine Untersuchung aus dem Jahr 2025 verglich Pflanzenkohle mit einem kommerziellen Einstreu-Zusatz in der Broilerhaltung.
Dabei wies die mit Pflanzenkohle behandelte Einstreu am Ende des Versuchs den niedrigsten Feuchtigkeitsgehalt auf.
Das zeigt, dass Pflanzenkohle unter bestimmten Bedingungen dazu beitragen kann, Einstreu trockener zu halten.
Wie stark dieser Effekt ausfällt, hängt jedoch von Kohle, Einstreumaterial, Tierbesatz, Lüftung, Tränkesystem und weiteren Stallbedingungen ab.
Reduziert Pflanzenkohle Ammoniak im Stall?
Das wird intensiv untersucht – die Ergebnisse sind allerdings nicht einheitlich.
Einige Studien und Versuche zeigen eine Verringerung von Ammoniakemissionen durch Pflanzenkohle beziehungsweise Biochar.
Andere Untersuchungen kommen zu einem anderen Ergebnis.
In der bereits erwähnten Broilerstudie aus dem Jahr 2025 war die Pflanzenkohle-Einstreu zwar trockener, wies zum Ende des Versuchs jedoch höhere Ammoniakkonzentrationen auf als die unbehandelte Kontrolle.
Das zeigt sehr gut, warum eine pauschale Aussage wie
„Pflanzenkohle bindet Ammoniak im Stall“
zu weit gehen würde.
Unter anderem der pH-Wert der Pflanzenkohle kann einen wesentlichen Einfluss darauf haben, wie sich Stickstoff beziehungsweise Ammoniak im System verhält.
Die richtige Pflanzenkohle für Einstreu sollte deshalb gezielt für diese Anwendung ausgewählt werden.
Pflanzenkohle im Hühnerstall
Bei Hühnern ist die Qualität der Einstreu besonders relevant.
Feuchte Einstreu gilt als wichtiger Risikofaktor für Fußballendermatitis. Auch erhöhte Ammoniakkonzentrationen können das Wohlbefinden und die Gesundheit von Geflügel beeinträchtigen.
Pflanzenkohle wird deshalb als möglicher Einstreu-Zusatz untersucht, um insbesondere den Feuchtigkeitshaushalt der Einstreu zu beeinflussen.
Aus wissenschaftlicher Sicht lässt sich jedoch nicht pauschal sagen, dass Pflanzenkohle:
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Fußballenerkrankungen verhindert,
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bestehende Erkrankungen heilt,
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das Immunsystem verbessert
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oder automatisch die Eier- beziehungsweise Mastleistung erhöht.
Solche Effekte müssten für das jeweilige Produkt und Haltungssystem konkret nachgewiesen werden.
Die belastbarere Aussage lautet:
Pflanzenkohle kann die physikalischen Eigenschaften der Einstreu beeinflussen und unter geeigneten Bedingungen dazu beitragen, deren Feuchtigkeit zu reduzieren.
Das kann wiederum für das Stall- und Einstreumanagement interessant sein.
Welche Vorteile kann Pflanzenkohle in der Einstreu bieten?
Je nach Pflanzenkohle und Anwendung können verschiedene Effekte interessant sein.
Dazu gehören insbesondere die Aufnahme von Feuchtigkeit und die Möglichkeit, Nährstoffe aus den Ausscheidungen in der Einstreu zurückzuhalten.
Auch bei der späteren Verarbeitung der Einstreu können Vorteile entstehen.
Wird Pflanzenkohle zusammen mit Mist beziehungsweise Einstreu kompostiert, kann sie während dieses Prozesses mit Nährstoffen und organischen Verbindungen angereichert werden.
Studien zur Kompostierung von tierischen Reststoffen zeigen außerdem, dass Pflanzenkohle unter bestimmten Bedingungen Stickstoffverluste und gasförmige Emissionen beeinflussen kann.
Die Effekte unterscheiden sich jedoch deutlich zwischen verschiedenen Kohlen, Dosierungen und Kompostierungsverfahren.
Wie viel Pflanzenkohle sollte in die Einstreu?
Eine allgemeingültige Dosierung gibt es nicht.
Die in Studien untersuchten Mengen unterscheiden sich deutlich.
Bei der Kompostierung tierischer Reststoffe wurden beispielsweise häufig Anteile von etwa 5 bis 10 % untersucht.
Bei Stall- beziehungsweise Geflügeleinstreu kommen dagegen auch andere Dosierungen und Applikationsmethoden zum Einsatz.
Deshalb sollte eine Empfehlung wie
„immer 10 % Pflanzenkohle in die Einstreu mischen“
nicht pauschal ausgesprochen werden.
Entscheidend sind:
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Tierart
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normales Einstreumaterial
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Eigenschaften der Pflanzenkohle
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Korngröße
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Feuchte
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Stallbelüftung
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Wechselintervalle
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und gewünschter Einsatzzweck.
Bei kommerziell angebotenen Produkten sollten deshalb die jeweiligen Anwendungsempfehlungen berücksichtigt werden.
Pflanzenkohle möglichst staubarm einsetzen
Ein wichtiger praktischer Punkt ist die Staubentwicklung.
Sehr trockene und fein gemahlene Pflanzenkohle kann stark stauben. Das ist gerade in einem Stall mit Mensch und Tier unerwünscht.
Feines Material sollte deshalb nicht einfach trocken im Stall verteilt werden.
Je nach Produkt kann es sinnvoll sein, Pflanzenkohle leicht anzufeuchten oder bereits mit dem vorhandenen Einstreumaterial zu vermischen.
Auch granulierte oder gröbere Produkte können die Staubentwicklung reduzieren.
Die optimale Körnung hängt wiederum von Tierart und Haltungssystem ab.
Pflanzenkohle mit Stroh, Spänen oder anderen Materialien kombinieren
Pflanzenkohle muss nicht als alleinige Einstreu eingesetzt werden.
Sie kann beispielsweise mit bestehenden Einstreumaterialien kombiniert werden.
Denkbar sind Kombinationen mit:
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Stroh
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Strohhäckseln
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Holz- oder Hobelspänen
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Strohpellets
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geeigneten organischen Einstreumaterialien.
Auch Mischungen mit Tonmineralien oder anderen funktionellen Bestandteilen werden in unterschiedlichen Stallsystemen eingesetzt beziehungsweise untersucht.
Eine universelle Rezeptur aus Pflanzenkohle, Kompost und Bentonit lässt sich daraus jedoch nicht ableiten.
Welche Mischung funktioniert, muss zum jeweiligen Tierhaltungs- und Stallkonzept passen.
Kann Einstreu mit Pflanzenkohle weiterverwendet werden?
Das ist einer der besonders interessanten Aspekte.
Während ihres Einsatzes im Stall kommt die Pflanzenkohle mit Ausscheidungen und damit mit Wasser, Stickstoff, Phosphor und weiteren Nährstoffen beziehungsweise organischen Stoffen in Kontakt.
Dadurch kann sich die Pflanzenkohle mit verschiedenen Verbindungen anreichern.
Die Einstreu kann anschließend – sofern die rechtlichen und hygienischen Voraussetzungen erfüllt sind – beispielsweise gemeinsam mit Mist kompostiert werden.
Während der Kompostierung wird die Pflanzenkohle weiter in das organische Material eingebunden.
Nach einer geeigneten Aufbereitung kann das entstandene Material später wiederum in landwirtschaftlichen oder gärtnerischen Stoffkreisläufen genutzt werden.
Was bedeutet Kaskadennutzung?
Diese mehrfache Nutzung wird häufig als Kaskadennutzung bezeichnet.
Ein möglicher Kreislauf kann beispielsweise so aussehen:
Pflanzenkohle → Einstreu → Mist → Kompost → Boden
Die Pflanzenkohle erfüllt damit nicht nur eine einzelne Aufgabe.
Zunächst kann sie Bestandteil des Feuchtigkeits- und Einstreumanagements sein. Anschließend gelangt sie gemeinsam mit Mist in die Kompostierung und schließlich in den Boden.
Während dieser Schritte kann sich die Pflanzenkohle mit Nährstoffen und organischen Verbindungen anreichern.
Das bedeutet allerdings nicht automatisch, dass daraus „Terra Preta“ entsteht. Terra Preta bezeichnet spezielle anthropogene Böden mit einer wesentlich komplexeren Zusammensetzung und Entstehungsgeschichte.
Pflanzenkohle als Einstreu-Zusatz: vielseitig, aber kein Wundermittel
Pflanzenkohle kann ein interessanter Bestandteil moderner Einstreusysteme sein.
Besonders ihre poröse Struktur macht sie für die Aufnahme von Feuchtigkeit und die Einbindung in betriebliche Nährstoffkreisläufe interessant.
Forschungsarbeiten zeigen außerdem mögliche Auswirkungen auf Stickstoffverluste, Ammoniak und Kompostierung.
Die Wirkung ist jedoch nicht bei jeder Pflanzenkohle gleich.
Gerade bei Ammoniak zeigen Untersuchungen, dass Biochar je nach Material und Bedingungen sowohl günstige als auch unerwünschte Effekte haben kann.
Pflanzenkohle sollte deshalb nicht als pauschale Lösung für Stallhygiene, Tiergesundheit oder Emissionen beworben werden.
Richtig ausgewählt und in ein geeignetes Einstreu-, Mist- und Kompostmanagement eingebunden, kann sie aber ein interessanter Baustein innerhalb landwirtschaftlicher Stoffkreisläufe sein.


