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Bio-Saatgut: Alles, was Du wissen musst

Illustration von kniender Person vor einem Beet

Der Beginn des Monats März läutet bei vielen Gärtnern die Saison ein. Dann ist die Zeit gekommen, die ersten Samen in die Erde zu setzen und im Haus vorzuziehen. Oftmals beginnt der Kauf von Saatgut aber noch viel früher, denn über das verwendete Saatgut sollte man sich einige Gedanken machen. Es ist schließlich nicht nur eine Frage der Sorten, welche man im eigenen Garten ernten möchte, sondern auch, ob diese Bio-Qualität haben sollen. Hier erfahrt ihr alles Wichtige, um die richtige Wahl beim Kauf des Saatguts zu treffen!

 

Was ist eigentlich Bio-Saatgut?

Saatgut wird auch als Samen, Saatkorn oder Sämereien bezeichnet und beschreibt die ruhenden und trockenen Fortpflanzungsorgane einer Pflanze. Die erstmalige Gewinnung von Saatgut spielte eine große Rolle in der Entwicklung von Jägern und Sammlern hin zur modernen Landwirtschaft. Da die Samen einer Pflanze also ein so hohes Gut für uns Menschen darstellen, gibt es ein sogenanntes Saatgutverkehrsgesetz, welches den Handel mit Saatgut genau regelt. Dieses Gesetz sorgt primär für die Sicherheit und Gesundheit der Verbraucher, aber auch für die Funktionalität des Samens gemessen an Keimfähigkeit.

Es gibt aber nicht nur unterschiedliche Sorten Saatgut, sondern es wird ebenfalls unter konventionellem Saatgut und biologischem Saatgut unterschieden. Biologische Landwirtschaft bedeutet unter anderem, dass keine Gentechnik eingesetzt werden darf: Die DNA der Pflanze wird nicht verändert. Die Pflanzen werden weitestgehend natürlich gedüngt, beispielsweise durch Kompost und Tiermist und es werden bestimmte Fruchtfolgen eingehalten, sodass der Boden nicht jedes Jahr gleich bewirtschaftet und ausgelaugt wird. Außerdem ist der Einsatz von chemischen Pflanzenschutzmitteln, sogenannten Pestiziden, Herbiziden und Fungiziden, verboten.

Die logische Schlussfolgerung müsste also sein: Biologisches Saatgut = ökologischer Landbau – richtig? Die Richtlinien besagen, dass die Mutterpflanze, aus der das Saatgut gewonnen wird, in mindestens einer Generation ökologisch bewirtschaftet worden sein muss. Dies ist bei gekauftem biologischem Saatgut für den Endverbraucher der Fall, in der biologischen Landwirtschaft darf bei Engpässen aber auch Bio-Saatgut verwendet werden, bei dem Mutterpflanzen in der konventionellen Landwirtschaft angebaut wurden und somit chemische Pflanzenschutzmittel und Mineraldünger zum Einsatz gekommen sind. Lediglich das Saatgut darf nicht behandelt werden und es darf nicht in die DNA der Mutterpflanzen eingegriffen worden sein. Zu beachten ist auch, dass biologisch vermehrte Samen je nach Sorte auf eine konventionelle Züchtung zurückgehen. Eine Pflanzenzucht, die in allen Schritten und Generationen komplett biologisch vollzogen wurde, ist noch nicht für alle Pflanzenarten verfügbar.

 

Unterschied Bio-Saatgut und Konventionelles Saatgut?

Weil es in Deutschland unterschiedliche Bio-Zertifizierungen mit unterschiedlichen Standards gibt, ist nicht jedes Bio-Saatgut gleich. So sind beispielsweise die Richtlinien für Bio-Saatgut von Demeter und Bioland strenger.

Generell lässt sich aber festhalten, dass Bio-Samen unbehandelt sind und konventionelle Samen oftmals mit Chemikalien besprüht werden, um beispielsweise einen Schutz vor Schimmel oder Krankheiten zu generieren.

Es gibt eine größere Auswahl an Sorten, wenn man beim biologischen Saatgut schaut. Besonders beim Bio Saatgut Gemüse lassen sich sogar alte Sorten, welche für den Handel kaum noch angebaut werden, entdecken. Diese sorgen beim Hobbygärtner für eine Vielfalt und Diversität im Garten oder auf dem Balkon.

Das meiste Bio-Saatgut ist samenfest, bei konventionellem Saatgut handelt es sich hingegen öfter um Hybrid-Saatgut, welches sich im nächsten Jahr nicht mit denselben Eigenschaften vermehren lässt. Alle F1 Hybride, egal ob konventionell oder biologisch, müssen allerdings auf der Saatgutverpackung gekennzeichnet sein und lassen sich somit einfach erkennen. Die Pflanzen, die aus F1 Hybriden entstehen, sind ertragreich, können diese Eigenschaft aber nicht an die nächste Generation weitergeben, weil das Saatgut durch die Kreuzung von zwei Inzuchtlinien entstanden ist. Im Gegensatz zu konventionellem Saatgut ist beim Bio-Saatgut die Vervielfachung des Chromosomensatzes, die sogenannte Polyploidisierung, nicht erlaubt. Dieses Verfahren führt bei der Pflanze schon nach einer Generation zu zahlreichen neuen Eigenschaften und wird im großen Stil in der konventionellen Landwirtschaft benutzt, um beispielsweile die Widerstandsfähigkeit von Mais und Weizen zu erhöhen.

 

Saatgut Tüten auf Erde mit Anzuchttöpfen

 

Warum sollte man Bio-Saatgut kaufen?

Konventionelles Saatgut bringt oftmals kurzfristig hohe Erträge und langfristig Abhängigkeit von den Saatgutfirmen. Bio Samen kaufen bedeutet, dass man in der nächsten Gartensaison kein neues kaufen muss, denn das meiste Bio-Saatgut ist vermehrungsfähig. Biologisches Saatgut überzeugt oftmals mit robusten und resistenten Sorten: Schädlinge lassen sich nicht wegspritzen, wodurch nur krankheits- und schädlingstolerante Pflanzen überleben und diese Eigenschaften in ihrem Samen weitergegeben werden.

Bio-Samen sorgen für Biodiversität im Garten und grade die alten Sorten Saatgut sind für Hobbygärtner oftmals besser geeignet: Pflanzen werden für die konventionelle Landwirtschaft so gezüchtet, dass alle Pflanzen zeitgleich reifen. Dies ist im eigenen Garten eher kontraproduktiv: Lieber nach und nach Ernten und genießen. Nicht nur Erntezeiträume werden bewahrt, sondern auch der Geschmack von Bio-Früchten überzeugt, da es sich nicht um genetisch veränderte Pflanzen handelt.

Für Menschen mit Balkon oder Garten, welche sich für Nachhaltigkeit interessieren, bietet ein Bio Saatgut Geschenk die ideale Möglichkeit, die Ziele der ökologischen Landwirtschaft zu unterstützen: Geschlossenen Kreisläufe zwischen Pflanzen, Tieren und Menschen und nachhaltige Bewirtschaftung.

 

Was kostet Bio-Saatgut?

Wer bereits Preise von konventionellem und biologischem Saatgut vergleichen hat, dem ist aufgefallen, dass Bio-Saatgut teurer ist. Dies kann ganz einfach damit begründet werden, dass die Herstellung von biologischem Saatgut mit mehr Aufwand verbunden ist. So wird beispielsweise maschineller statt chemischer Pflanzenschutz eingesetzt, welcher sich zeitaufwendiger und kostspieliger gestaltet. Aber auch die Menge an Saatgut, die auf der gleichen Fläche gewonnen werden kann, ist mit ökologischer Bewirtschaftung geringer. Dies ist mit mehr Verlusten durch Krankheits- und Schädlingsbefällen zu begründen. Außerdem sind die Bio-Zertifizierung und die regelmäßigen Kontrollen mit Kosten verbunden, die sich im Preis des Saatguts widerspiegeln.

 Saatgut Tüte mit Petersilie

 

Welches Saatgut ist das Beste?

Das beste und älteste Saatgut Zuchtverfahren ist die Auslesezüchtung. Dabei werden die größten, ertragreichsten und gesündesten Pflanze ausgesucht und bei der Ernte wird das Saatgut dieser Pflanzen entnommen, getrocknet und im nächsten Jahr ausgesät. So wird die DNA von Pflanzen weitergegeben, die von der Natur besser aufgestellt sind. Es entstehen neue Sorten, wenn Saatgut von Pflanzen mit besonderen Merkmalen gesammelt wird.

Das Saatgutverkehrsgesetz reguliert die Auswahl an Saatgut auf dem Markt, sodass jedes Saatgut sicher und keimfähig ist, egal ob konventionell oder biologisch. Leider geht der Schutz der Verbraucher so weit, dass von beispielweise 15.000 Tomatensorten gerade einmal 43 Sorten zugelassen sind. So gehen viele gute Sorten langfristig verloren, da sie nicht der Norm des Handels entsprechen, aber dennoch mit Farben- oder Geschmack überzeugen können.

Bio-Saatgut ist nicht gleich Bio-Saatgut und es gibt Unterschiede in den Richtlinien der Herstellung, dennoch ist fast jedes biologische Saatgut samenfest und bieten somit einen Vorteil gegenüber konventionellem Saatgut. Beim Kauf von regionalem Saatgut steigt die Wahrscheinlichkeit der erfolgreichen Ernte aufgrund von klimatischer Angepasstheit.

Sogenanntes CMS-Hybridsaatgut muss sowohl bei konventionellen als auch bei biologischen Samen nicht gekennzeichnet werden, denn diese Zellfusionstechnik wird nicht als Gentechnik angesehen. Männliche Pflanzensamen werden sterilisiert, damit die Samen sich nicht selbst befruchten und kontrollierte Kreuzungen möglich werden. Möchte man sichergehen, dass das gekaufte Saatgut kein Hybridsaatgut ist, dann muss zu Bio-Labeln wie Demeter und Bioland gegriffen werden.

 

Wo kann man Bio-Saatgut kaufen?

Mittlerweile ist die Nachfrage nach Bio-Samen gestiegen, weshalb sich auch das Angebot erweitert hat. Es gibt nun viele Quellen, bei denen man Bio Saatgut kaufen kann. Es ist sehr einfach, nach der gewünschten Sorte im Internet zu suchen und dann über die verschiedensten Online-Händler zu bestellen. So ist Blumenwiese Bio Saatgut mittlerweile bei vielen Händlern erhältlich. Aber auch in jedem Baumarkt und Gartencenter gibt es inzwischen ein vielfältiges Sortiment. Sogar Einzelhändler und vor allem Biomärkte verkaufen Saatgutaufsteller, wo sich immer öfter biologisches Saatgut finden lässt. Nur beim Kauf von Bio Saatgut alte Sorten bleibt es oftmals nicht aus spezielle Netzwerke welche sich für den Erhalt dieser Sorten einsetzen, zu kontaktieren, spezielle Tauschbörsen und Events zu besuchen oder diese Samen im Internet zu bestellen. Im Herbst kann es eine schöne Aktivität sein, zur Bio-Gärtnerei oder Bio-Bauernhof in der Umgebung zu gehen, denn diese stellen oftmals aus ihrem Gemüse und Früchten eigenes Saatgut für die nächste Saison her. Diese Pflanzen haben den Vorteil, dass sie bereits perfekt an die Bedingungen der Region angepasst sind.